Piet Mondrian: Pionier der Abstraktion | ARTinWORDS (2022)

Wer war Piet Mondrian?

Piet Mondrian (geb. Pieter Cornelis Mondriaan, Amersfoort 7.3.1872–1.2.1944 New York) zählt zu den Pionieren der Abstrakten Kunst und den bedeutendsten Malern der Klassischen Moderne aus den Niederlanden (→ Abstrakte Kunst | Klassische Moderne). Der Maler war ein Hauptvertreter der ungegenständlichen, geometrischen Abstraktion, die als Konkrete Malerei bzw. Geometrische Abstraktion weiterwentwickelt wurden. Der Autodidakt empfand sich in seinen Anfängen als Landschaftsmaler und wandte sich kurz nach 1900 dem Postimpressionismus und der Theosophie zu (→ Postimpressionismus | Pointillismus | Divisionismus). In intensiver Auseinandersatzung mit dem symbolistischen Werk von Jan Toroop strebte er bereits 1908 eine „Loslösung vom Stoff“ an, als er noch in leuchtenden Farben den wichtigsten Ausdrucksträger sah. Zwischen 1912 und 1914 arbeitete er an immer reduzierteren „Darstellungen“ eines blühenden Apfelbaums bzw. eines Herbstbaums in Paris, die er als „Komposition“ bezeichnete und durchnummerierte. Damit hatte sich Piet Mondrian vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs von der Darstellung der sichtbaren Welt gelöst und einen Weg gefunden, Harmonie und Proportion auf ungegenständliche Weise anzusprechen. Er selbst nannte diese Stilrichtung Neoplastizismus.

Während des Ersten Weltkriegs lebte Mondrian wieder in den Niederlanden. Hier entwickelte er seinen berühmten Stil, für den er sich auf die Primärfarben sowie die Nichtfarben Weiß und Schwarz, Linien und Flächen beschränkte. In den 1920er Jahren war Piet Mondrian Mitglied der Künstlergruppe „De Stijl“ in Amsterdam (seit 1917) und „Abstraction-Création“ in Paris. Der Junggeselle, der sein Leben ganz der Kunst widmete, gestaltete seine Ateliers im Stil seiner Bilder. Bis Mitte der Zwanziger Jahre war er zu einem der bedeutendsten Künstler der Avantgarde aufgestiegen und wurde international ausgestellt. Auch amerikanische Sammler und Institutionen wurden auf den niederländischen Maler aufmerksam. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zwang Piet Mondrian zur Emigration nach London und 1939 weiter nach New York. Hier begann er mit Klebebändern zu arbeiten. Als Piet Mondrian 1944 an einer Lungenentzündung verstarb, gehörte er zu den berühmtesten Künstlern seiner Zeit. Ein Jahr nach seinem Tod widmete ihm das Museum of Modern Art eine erste posthume Retrospektive.

Mondrian: Ausstellungen 2022

Kindheit

Piet Mondrian wurde am 7. März 1872 als Sohn eines Lehrers und späteren Vorsteher einer christlichen Grundschule in Amersfoort geboren. Ein Monat später wurde er in der spätmittelalterlichen Kirche St. Joris getauft, die sich in der Nähe der Kortegracht befindet. Mondrians Vater, Pieter Cornelis Mondriaan (18.6.1839), gehörte der niederländisch-evangelischen Kirche an und war politisch aktiv in der konservtiven, orthodox-reformierten Bewegung von Abraham Kuijper. Über Mondrians Mutter, Johanna Christina de Kok (16.6.1839), ist wenig bekannt. Mondrian hatte drei Brüder: Willem Frederik Mondriaan (10.5.1874-1945), Louis Cornelis Mondriaan (8.2.1877-1943) und Carel Mondriaan (1.6.1880-1956).

1880 übersiedelte die Familie nach Winterswijk, wo der Vater Leiter der Christlichen Grundschule wurde. Wie seine vier Geschwister besuchte Piet Mondrian dort die Grundschule. Sein Vater hatte eine abgeschlossene Ausbildung als Zeichenlehrer und machte sich in Winterswijk einen Namen als Maler von Gedenktafeln zu historischen Ereignissen.

Im Jahr 1884 wechselte Piet Mondrian nach Abschluss der sechsjährigen Grundschule nicht auf die Oberschule, sondern er erhielt eine zweijährige Zusatzausbildung für Grundschüler mit Französischunterricht und Allgemeinbildung. Damit kam der junge Mondrian der gesetzlich vorgeschriebenen Schulpflicht bis 1886 nach.

Ausbildung

Bereits ab 1886 wollte Piet Mondrian Künstler werden. Auf Drängen seines Vaters bereitete sich der 14-jährige selbstständig auf die Eignungsprüfung für eine Tätigkeit als Zeichenlehrer an Grundschulen vor. Sein Vater dürfte ihn dabei unterstützt haben. Ersten Malunterricht erhielt Piet Mondrian von seinem Onkel Frits Mondriaan (1853-1932), der aus Den Haag nach Winterswijk zu Besuch kam. Piet Mondrians erste signierte und datierte Zeichnung entstnad 1888 und zeigt eine Landschaft, vermutlich nach der Komposition eines anderen Künstlers. Er bestand am 11. Dezember 1889 die Eignungsprüfung in Amsterdam (11.12.) und bemühte sich weiter um eine Lehrbefähigung für den Zeichenunterricht an Höheren Schulen, die ihn auch zur Aufnahme an die Rijksacademie in Amsterdam berechtigte. Dabei war Piet Mondrian ganz auf das Selbststudium angewiesen. Seine erste Ausstellungsbeteiligung 1890 auf dem alljährlichen Salon in Den Haag - Mondrian stellte ein Stillleben mit Äpfeln und eine Zeichnung einer Scheune in Gelderland aus - wurde positiv aufgenommen (Mai-Juni). Anfang 1892 wurde Mondrian erneut mit vier Stillleben und einer Zeichnung auch zur Jahresausstellung der Künstlervereinigung "Kunstliefde" in Utrecht zugelassen (April).

Am 1. März 1892 erhielt Piet Mondrian von Königin-Mutter Emma die Zusage eines staatlichen Stipendiums für eine Institution sesiner Wahl. Dadurch ersparte sich Mondrian 100 Gulden Jahresbeitrag als Vollzeitstudent, im zweiten Studienjahr erhielt er eine Empfehlung von Allebé. Anfang September 1892 wurde Mondrian neben 18 Studenten und 19 Studentinnen an der Rijksakademie aufgenommen. Er zog am 7. November nach Amsterdam, wo er zwischen 1892 und 1894 studierte. Zu seinen Lehrern gehörten August Allebé, Nicolaas van der Waay und C. L. Dake. Die Grundlagen der Ausbildung zum Zeichenlehrer waren kompakte, geschlossene Form, Einfachheit und Wahrhaftigkeit als Grundlagen des Schönen. Im Anschluss besuchte er einen einjährigen Abendkurs im Zeichnen an der Rijksacademie (ab Oktober 1894). Die 40 Gulden Studiengebühren musste er selbst aufbringen.

1895 bezog Piet Mondrian ein Dachgeschoss mit Blick auf das Rijksmuseum. Er besuchte einen zusätzlichen einjährigen Abendkurs im Zeichnen an der Rijksacademie. Der angehende Maler kopierte im 1888 eröffneten Rijksmuseum P. J. C. Gabriels Windmühle "Im Monat Juli" (INv.-Nr. A1505), B. J. Blommers "Schrickendes Mädchen" und Petrus van der Veldens "Fischer spielen Domino"; später kopierte er Nicolaas Maes' "Die Spinnerin", Jan Steens "Papageienkäfig" (beide 1898). Im September 1895 eröffnete das Stedelijk Museum mit der Präsentation von Gemälden der Schule von Barbizon und der Schule von Den Haag. Während er sich weiterbildete, Mondrian besuchte ab Oktober 1896 erneut einen Abendkurs in Zeichnen, um seine Technik des Radierens zu verbessern, konnte er 29 Illustrationen in D. P. Roussouws "Medeerfgenamen van Christus [Die Erben Christi]" veröffentlichen. Er stellte in ihnen das Martyrium Christi dar.

Anfänge als Künstler

Ab 1897 war Mondrian Mitglied der Künstlervereinigungen "Arti et Amicitiae" und "St. Lucas", wo er drei Mal pro Jahr seine Werke ausstellen konnte. Zwischen 1903 und 1907 war Mondrian sogar gewähltes Vorstandsmitglied der Künstlervereinigung "St. Lucas". Doch zurück in 1897 zog der Maler zuerst nach Ringdijk am südöstlichen Stadtrand Amsterdams und dann wieder ins Zentrum der Stadt. Mondrian malte an verschiedenen Orten und besuchte regelmäßig sein Elternhaus in Winterswijk, um dort ebenfalls zu malen. Sein Versuch Ende Mai 1898, den Niederländischen Prix de Rome - ein vierjähriges Auslandsstipendium - zu erhalten, scheiterten an seiner fehlenden Begabung zur Aktzeichnung.

(Video) Frantisek Kupka - Pionier der abstrakten Kunst (tschechischer Maler)

1900 traf Piet Mondrian Simon Maris (1873–1935), Sohn von Willem Maris (1844–1910), einem Hauptvertreter der Haager Schule. Mit Albert van den Briel, einem Studenten der Forstwirtschaft, freundete sich Mondrian an. In dieser Phase arbeitete er in einem Stil, der von den Kreisen rund um Willem Maris besonders geschätzt wurde. Gleichzeitig erweiterte Mondrian seine technischen Möglichkeiten erheblich. Dennoch scheiterte er 1901 ein zweites Mal im Wettbewerb um den Rom-Preis.

Im Jahr 1902 wandte sich Piet Mondrian der Landschaftsmalerei zu, die in den Niederlanden in der Haager Schule eine besonders wichtige Tradition hatte. Ausnahmen waren Porträtaufträge und Stillleben, die der nunmehr 30-jährige Maler aus wirtschaftlichen Gründen annahm und ausführte. Mondrian malte rund um das Flüsschen Het Gein das Polderland, da ihm durch ein Fahrrad ein größerer Radius zugänglich war. Dort entstanden Gemälde von Bauernhöfen, Mühlen und Landschaften im naturalistischen Stil.

Nach einem kurzen Aufenthalt in der südliche Provinz Brabant, in der Nähe von s’Hertogenbosch im August 1903, ist der erste Auslandsaufenthalt Mondrians für September des Jahres 1903 nachvollziehbar: Gemeinsam mit Simon Maris und Frits Bodenheim reiste er mit einem Dampfschiff nach Spanien. Er dürfte dort einem Stierkampf beigewohnt haben, mehr ist jedoch von dieser Reise nicht überliefert. Im Januar 1904 verließ Mondrian Amsterrdam in Richtung Uden, wohin er sich aufgrund von Spannungen im Privatleben zurückzog. Ein Jahr später, Ende Januar 1905, kehrte Mondrian nach Amsterdam zurück. Er wohnte im Dachgeschoss des Gebäudes der Künstlervereinigung "St. Lucas" und konnte die erste Ausstellung zu Vincent van Gogh im Stedelijk Museum besuchten. Auf einem Gut südöstlich von Hengelo konnte er malen. Dort fand er eine völlig andere Landschaft vor – Wälder, Heide- und Ackerland. Piet Mondrian sah sich in dieser Zeit selbst als "erfolgreichen Landschaftsmaler".1

Irgendwann im Jahr 1906 kam Dr. Johannes Fredericus Samuel Esser (1877-1946) nach Amsterdam. Er würde später niederländischer Schachmeister und ein Pionier der Schönheitschirurgie werden. In den folgenden Jahren legte Esser die größte Sammlung an Mondrian-Gemälden an, bevor dieser im Winter 1911/12 nach Paris fuhr. Eine Zeichnung in einem Skizzenbuch Simon Maris' zeigt den Künstler am Grein auf einem Rad sitzend und im Hintergrund eine Windmühle malend; die kleine Leinwand hat er am Fahrradlenker montiert. Im Herbst muss er auch in Twente gearbeitet und Aquarelle von Brabanter Bauernhäusern geschaffen haben.

Erste Gemälde im Stil vonFauvismus und Pointillismus (→ Postimpressionismus | Pointillismus | Divisionismus) von Jan Sluijters (1881–1951) konnte Piet Mondrian Ende 1906 an der Rijksacademie in Amsterdam sehen. Sluyters hatte sie als Rom-Stipendiat in Paris geschaffen. Sluijters hatte sich in Paris mit den Werken der Fauvisten auseinandergesetzt (→ Matisse und die Künstler des Fauvismus). Damit brachte der Niederländer die neueste Entwicklung aus Frankreich direkt und sehr rezent in die Niederlande. Ende des Jahres borgte der Kunstsammler Cornelis Hoogendijk (1866-1911) erste Gemälde von Paul Cézanne und Vincent van Gogh dem Rijksmuseum. Piet Mondrian selbst sollte erst 1907/08 zu den reinen, unvermischten Farben und einem pointillistischen Farbauftrag kommen.

Theosophie und Neoimpressionismus

Am 6. und 7. März 1908 hielt Rudolf Steiner, damals noch Sekretär des deutschen Arms der Theosophischen Gesellschaft, in Amsterdam Vorträge zur Theosophie (Titel: „Theosophie, Goethe und Hegel“), ohne dabei Goethes Farbenlehre oder Kunstverständnis anzusprechen. Mondrian präsentierte von April bis Mai 1908 bei "Arti" vier Abendlandschaften, in denen er die Primärfarben Rot, Gelb und Blau zum ersten Mal in einem Werk einsetzte, und wurde gemeinsam mit Jan Sluijters als avantgardistischer Künstler erkannt. Im Mai konnte Piet Mondrian in einer von "St. Lucas" organisierten Schau 17 neoimpressionistische Gemälde von Jan Toroop (1858–1928) sehen (Mai-Juni). Die Werke Mondrians und seiner Zeitgenossen wurde ab diesem Jahr mit dem Begriff Luminismus charakterisiert.

Im September 1908 besuchte Mondrian Jan Toroop und dessen Tochter, die Malerin Charley Toroop (1891-1955), im Seebad Domburg (Seeland). Ihre Gesprächsthemen waren Glaubensfragen und die technische Seite des Sichtbarmachens des Geistigen in der Kunst. Neben Rudolf Steiner und Jan Toroop spielte auch das späte Werk vonVincent van Gogh (1853–1890), Georges Seurat (→ Georges Seurat, Erfinder des Pointillismus),Edvard Munch eine große Rolle. Van Goghs späte Bilder konnte Piet Mondrian bis Ende Oktober 1908 in der Kunsthandlung C. M. van Gogh in Amsterdam in einer Retrospektive sehen. Neben Toroop hielten sich auch die Kunstsammlerin Johanna Maria Tak van Poortliet und ihre Freundin, die spätere STURM-Künstlerin Jacoba van Heemskerck, sowie der Maler Cornelis Spoor in Domburg auf.

Am 6. Januar 1909 eröffnete die große Ausstellung im Stedelijk Museum, Amsterdam, in der Mondrian gemeinsam mit Cees Spoor und Jan Sluijters ausstellten. Zwei Tage danach starb seine Mutter (8.1.); er nahm nicht am Begräbnis teil. Toroop zeigte luministische Werke bei "Arti et Amicitiae" und anschließend im Larenschen Kunsthandel in Amsterdam. Mondrian trat am 25. Mai 1909 der Niederländischen Theosophischen Gesellschaft bei. Vier Tage später veröffentlichte das Wochenblatt "De Controleur" eine Mondrian gewidmete Besprechung von Israel Querido. Da sich der Malerei in Domburg aufhielt, reagierte er von dort in einem ausführlichen Schreiben, das ebenfalls veröffentlicht wurde:
Ab 1909 begann Piet Mondrian seine künstlerischen Ziele in Artikeln und theoretischen Texten zu verbalisieren und zu veröffentlichen: Die geistige Seite des Kunstwerks wäre durch Farbe und Linie sowie abweichende Technik darzustellen. Mondrian erkannte einen „großen Zusammenhang“ zwischen Kunst und Philosophie. Er strebte eine „Loslösung vom Stoff“ an. Das führte dazu, dass Mondrian den Fußboden und die Täfelung seines Ateliers mit Schwarz und die Wände und Möbel Weiß anmalte. In diesem Jahr malte er großformatige Strandbilder und Ansichten des Leuchtturms von Westkapelle.

Nationaler und internationaler Durchbruch

Vierzehn in Domburg entstandene Werke stellte Mondrian im Mai 1910 bei "St. Lucas" aus, welche als die modernsten Beiträge beurteilt wurden. Seine Malerei verschaffte ihm internationale Aufmerksamkeit, sodass Piet Mondrian am 10. Juli 1910 in die Société des Artistes Indépendants aufgenommen wurde. Von Ende August bis Ende Oktober hielt er sich erneut in Domburg auf, wo er die Malerin Jacoba van Heemskerck traf. Die Brüsseler Künstlervereinigung "Doe Stil Voort" präsentierte erstmals Werke von Mondrian. der Maler und Kritiker Conrad Kickert gegründet im November 1910 den "Modere Kunstkring [Kreis Moderner Kunst]", mit Mondrian sowie Sluijters im Vorstand. In diesem Jahr arbeitete Mondrian über zwei Motiven aus Domburg: die Kirche und die Mühle.

Anfang des Jahres 1911 zeigte Piet Mondrian Werke in Nantes und im Salon des Indépendants in Paris. Um sich selbst mit den neuesten Entwicklungen in Paris vertraut zu machen, hielt sich der niederländische Maler vom 13. bis 23. Mai in der Hauptstadt auf. Er besuchte den Salon des Indépendants, wo die Künstler vom linken Seineufer miteinander ausstellten. Vielleicht war er aber auch in den Galerien Kahnweiler, Sagot und Uhde. Zurück in den Niederlanden hielt sich Mondrian im Ort Veere, unweit von Domburg, auf.
Auf der ersten Ausstellung des Modere Kunstkring [Kreis Moderner Kunst] zeigte man Werke vonPaul Cézanne (ab 6.10.1911), der als Vorläufer gesehen wurde, gemeinsam mit Werken vonPablo Picasso und Georges Braque. Piet Mondrian war dort mit sechs Werken vertreten, darunter u.a. das Triptychon „Evolution“ (1911, Gemeentemuseum, Den Haag), mit dem er die theosophische Idee der Umgestaltung auf geistiger Ebene anschaulich machen wollte. Im selben Jahr stand Mondrian kurz davor Greta Heijbroek (1884–1964) zu heiraten. Er entschied sich dagegen und dafür, nur für die Kunst zu Leben. Ende des Jahres zog Piet Mondrian von Amsterdam nach Paris.

„Erfinder“ der Abstraktion: Bäume in Paris

Seit Anfang 1912 in Paris wohnend, zeigte Mondrian im Salon des Indépendants von März bis Mai 1912 die drei Gemälde „Im Garten“, „Im Wald“ und „Die Obsthändlerin“. Im selben Saal stellten auch Albert Gleizes, Jean Metzinger, Henri Le Fauconnier undFernand Léger aus. Dieser Raum wurde von André Salmon gestaltet und galt als das „Königsreich der Kubisten“ (→ Kubismus). André Salmon urteilte, Mondrian machte „Kubismus aufs Geratewohl, in völliger Verkennung des Gesetzes der Volumina, und seine Inspiration stammt von van Dongen“2 (→ Kees van Dongen). Der Maler Jan Toorop hingegen, einer der Organisatoren der den „lebenden holländischen Meistern“ gewidmeten Ausstellung in Nimwegen (1.7.–2.9.1912), sah in „Im Garten“ einen der ersten Schritte Mondrians in Richtung Kubismus.

(Video) Hilma af Klint: The Life of an Artist: Art History School

Mondrian nahm im Herbst 1912 sein Leitthema des Baumes (vgl. „Der graue Baum“, 1911, Gemeentemuseum, Den Haag) wieder auf, um es jeglichen emotionalen und symbolischen Gehalts zu entkleiden und, nach seinen Worten, die Schönheit zu konstruieren und in horizontale und vertikale Linien zu verwandeln. Entschlossen eignete er sich die Verfahren des analytischen Kubismus von Braque und Picasso an, deren Werke er im November 1911 im Moderne Kunstkring in Amsterdam entdeckt hatte. Er arbeitete mit einem linearen und rechtwinkligen, die Oberfläche vereinheitlichenden Raster, ohne dass hier das Hauptmotiv und eine gedämpfte Palette sanfter Töne verschwänden, die er auch bei „Stillleben mit Ingwertopf I“ von 1911 (Solomon R. Guggenheim Museum, New York) verwendete.

Mondrian bezog ein Ateliergebäude in der Rue du Départ Nr. 26, gleich neben dem Atelier des Malers Diego Rivera (1886–1957). In den Sommermonaten reiste Mondrian zurück nach Amsterdam und besuchte auch die Städte Arnheim und Domburg. Zur zweiten Ausstellung des Moderne Kunstkring in Amsterdam, mit dem SchwerpunktPaul Gauguin und Le Fauconnier, reichte Mondrian seine jüngsten Werke ein, darunter auch die gemalten Pariser Bäume im Herbst, in denen er sich der Abstraktion näherte.

Im Salon des Indépendants von 1913 präsentierte Mondrian im holländischen Saal drei Kompositionen – „Baum“, „Blühender Baum“ und „Frau“. Bei seiner zweiten Teilnahme am Salon des Indépendants zog Piet Mondrian die Aufmerksamkeit von Guillaume Apollinaire auf sich, der daraufhin über dessen Bilder schrieb:Gestützt auf eine „empfindliche Zerebralität“3 begann hier der Prozess der Quadrierung der als Ganzes behandelten Kompositionsfläche. Für Michel Seuphor war das die Geburt des abstrakten Kubismus, der seine Schöpfer hinter sich ließ.4 Zu diesem Zeitpunkt begann Piet Mondrian seine Werke mit numerischen, neutralen Titeln zu versehen.

Im folgenden Jahr erklärte er, dass er mit den intuitiv angeordneten, horizontalen und vertikalen Linien und Farbkombinationen auf einer Fläche, die wahren Schönheitsformen der bildenden Kunst sichtbar machen wollte. Sein Interesse an regelmäßig gegliederten Fassaden wurde ersetzt durch die Wände von Abbruchhäusern, auf denen noch die Spuren der Wohnungen sowie zerrissene Werbeplakate zu sehen waren.

„Ich konstruiere auf einer Fläche Linien und Farbkombinationen mit dem Ziel, die allgemeine Schönheit möglichst bewusst darzustellen. Die Natur [beziehungsweise das, was ich sehe] inspiriert mich; ich möchte jedoch der Wahrheit möglichst nahekommen und deshalb alles abstrahieren, bis ich zum Fundament [einem immer noch äußerlichen Fundament!] der Dinge gelange.“ (Piet Mondrian, 1914)

Piet Mondrians erste Einzelausstellung fand im Kunsthandel Walrecht in Den Haag statt, vermittelt durch H.P. Bremmer, welcher die Sammlerin Helene Kröller-Müller beriet.

Erster Weltkrieg in Amsterdam

Da Piet Mondrian ab 25. Juli 1914 seinen Vater und Freunde in Arnhem sowie Freunde in Amsterdam und Domburg besuchte, verhinderte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Rückreise nach Paris. Mondrian bezog ein Ferienhaus einer Freundin in Domburg und ab Herbst lebte er bei seinen Brüdern in Amsterdam. Zu dieser Zeit begann er zu zeichnen und füllte seine Skizzenbücher mit Zeichnungen, Notizen zur Kunst, zur Theosophie und zum Leben.

Erst 1915, nachdem Piet Mondrian in eine Pension von To Hannaart in Laren gezogen war, verarbeitete er seine zuvor entstanden Skizzen und Zeichnungen in Gemälden. Im selben Haus wohnte auch Salomon B. Slijper (1884–1971), den Mondrian im Sommer 1915 kennenlernte, woraus eine enge Freundschaft entstand. Slijper begann zu dieser Zeit Mondrians Werk zu sammeln, vor allem das Frühwerk interessierte ihn sehr. Während des Sommers fand Mondrian ein neues Atelier in der Künstlerkolonie, gegründet von Jacob van Rees, der für seinen Sohn Otto van Rees ein Haus gebaut hatte. Im August trug sich der Maler wieder im Kopistenbuch des Rijksmuseums ein, um eine Kopien nach Adriaen Beeldemakers "Der Jäger" zu fertigen - immerhin hatte Mondrian für sieben Wohnungen und Ateliers aufzukommen. Gleichzeitig arbeitete er an seinen Beiträge zur Schlefhout Ausstellung im Stedelijk Museum Amsterdam. Während der Ausstellung trat der um elf Jahre jüngere Künstler, Kritiker und Publizist Theo van Doesburg (1883–1931) in Kontakt mit Mondrian und begann einen regen Briefwechsel. Van Doesburg besprach Mondrians Werk für "Eenheid" (6.11.). Piet Mondrian arbeitete zu dieser Zeit auch an einem Text über Kunst:

„dass mein Werk lediglich eine Konsequenz dessen ist, was seit alters gemacht und gesucht wird: das alle Kunst gut war und die meinige-geradezu zwangsläufig-aus dem Geiste einer künftigen Zeit hervorgegangen […].“

De Stijl

Mondrian lernte Bart van der Leck (1876–1958) kennen. Dieser beeinflusste die Farbgebung Mondrians. Um die finanzielle Misere zu lindern, ließ sich Bremmer dazu überreden, Mondrian einen monatlichen Betrag zu bezahlen und bekam im Tausch dazu Bilder von ihm. Im November 1917 erschien das Erste Heft von „De Stijl“, in dem angekündigt wurde, dass eine zwölfteilige Serie im ersten Jahrgangs herausgegeben würde, diese Schrift lief unter dem Titel „De Nieuwe Beelding in de Schilderkunst“.

Im März 1918 stellte Piet Mondrian vier BIlder auf der vierten Ausstellung des Hollandsche Kunstenaarskring aus. H.P. Bremmer kaufte sie alle und verdoppelte Mondrians Zuwendung. In den Werken aus den Jahren 1918 bis 1920, Mondrian nannte sie „Sache aus lauter Rauten“, legte er durch eine regelmäßige Gitterkonstruktion aus 15 mal 15 horizontalen und vertikalen Linien (und zunächst sieben Diagonalen) seine Kompositionen fest. Ende des Jahres 1918 gab er die Komposition der schrägen Flächen auf, indem er die Leinwand um 45 Grad drehte. So entstanden seine ersten vier rautenförmigen Kompositionen. Für Mondrian stand fest, dass er keine Gegenstände mehr darstellen wollte, sondern nur Verhältnisse. Daraufhin verkaufte er die meisten seiner früheren naturalistischen Werke, die noch in seinem Besitz waren, an Slijper, bevor er neuerlich nach Paris zog.

(Video) Hilma af Klint - Colourful Images - Part 3

Anfang des Jahres 1919 begann Piet Mondrian an weiteren elf Gemälden zu arbeiten, die vollkommen regelmäßig sind und sämtlicher Wirklichkeitsbezüge entledigt zu sein scheinen. Um die Ziele seiner Kunst darzulegen schrieb er einen Dialog und einen Trialog für "De Stijl". In diesem Text finden sich Erklärungen, wie ie Komposition von Farbe und Linie das Geistige sichtbar macht, wie sich das alles aus der naturalistischen Malerei ergeben hätte, und wie die gesamte Entwicklung im Ende der Malerei kulminieren würde. Für Mondrian war klar, dass das Verhältnis von Linie und Farbe im Leben selbst aufgehen würde.

Internationaler Durchbruch in Paris (1919–1939): Neoplastizismus

Piet Mondrian mietete sich 1919 in der Rue de Coulminers Nr. 5 ein und begann mit bunten Papieren zu experimentieren, die er an die farbigen Wände heftete. Seine Möbel malte er ebenfalls bunt an. An den Gemälden fällt ab 1920 auf, dass er darauf achtete, keine regelmäßigen Einteilungen mehr zu schaffen. Dennoch stellte sich die Phase nach dem Ersten Weltkrieg als finanziell schwierig heraus. Mondrian begann aus Geldnot und aus Freude, Blumenbilder zu malen (1922–1927) und über Jan Slijper in den Niederlanden zu verkaufen. Erst nachdem die amerikanische Sammlerin Katherine S. Dreier sich für das Werk des Niederländers interessierte, konnte er 1927 damit aufhören.

Werke

Zwischen 1919 und 1921 schuf Mondrian in Paris Gemälde mit horizontalen und vertikalen Linien, den drei Primärfarben Rot, Gelb und Blau sowie den Nicht-Farben Schwarz, Weiß und Grau. Diese Bilder bezeichnete er selbst als Kompositionen und/oder Tableaus.5 „Rasterkomposition 7“ (1919, Kunstmuseum Basel) zeigt eine unregelmäßige Rasterung in bunt-grau (spannend zu beobachten, welche Buntwerte Mondrian dem Grau abringt), während „COMPOSITION C“ (1920, Museum of Modern Art, New York) abgetönte Primärfarben in die Komposition einführt. Bereits ein Jahr später begann Mondrian sein Raster in Schwarz zu gestalten und die Primärfarben neben Weiß, Schwarz und Grau leuchtend einzufügen.
An den Rändern zeigt sich hier ein spannender Moment des Umbruchs: Die zuvor als All-over konzipierten Rasterlinien werden nicht überall bis zum Bildrand geführt, wodurch die Struktur etwas Instabiles, fast Schwebendes erhält. Um diesen Eindruck nicht abzuschwächen, hat Mondrian sich auch eine neue Lösung für Präsentation und Hängung einfallen lassen! Er nagelte ab 1921 schmale, weiß gestrichene Rahmenleisten an oder Platten hinter die Keilrahmen, damit die Ecken der Gemälde sichtbar bleiben. Sein Monogramm „P. M.“ setzte er samt Jahreszahl (immer nur die beiden letzten Ziffern) in schmalen Lettern aber leuchtenden Farben im untersten Bereich des Bildes an durchaus neuralgische Punkte.

In dieser neuartigen konstruktiven Formlösung sah Mondrian den Königsweg zu einer „Neuen Gestaltung“ und einem „reinen Sehen des Universalen“. Die Gemälde sind von calvinistischer Kargheit und mystischer Weltsicht geprägt, da der aus Holland stammende Maler Zeit seines Lebens protestantischen Erneuerungsbewegungen und Sekten verbunden war und sich intensiv mit der Theosophie beschäftigte. Seiner Ansicht nach würde sich die Malerei in der Zukunft in eine Form der „Umweltgestaltung“ verwandeln und als Einzelkunst obsolet werden.

Internationale Kontakte

Erfolge in den Niederlanden und in der internationalen Avantgarde setzten 1922 langsam ein: Anlässlich seines 50. Geburtstags zeigte das Stedelijk Museum in Amsterdam eine erste Retrospektive Mondrians. Gemeinsame Freunde kauften ein Gemälde, um es dem Rijksmuseum zu schenken. In Wien erschien die von Lajos Kossák (1887–1967) undLászló Moholy-Nagy (1895–1946) herausgegebene Zeitschrift „Müvészek Könye [Buch neuer Künstler]“. Das gesamte Bildmaterial, das zuvor in „De Stijl“ publiziert worden war, wurde in enger Zusammenarbeit mit der ungarischen Zeitschrift „MA [HEUTE]“ dort wiederveröffentlicht.

Theo van Doesburg übersiedelte mit seiner Frau Nelly nach Paris. Die beiden Künstler verbrachten viel Zeit miteinander, wie sich Nelly van Doesburg später erinnerte. Wichtig ist 1923 auch noch die Bekanntschaft mit Michel Seuphor (1901-1933). Auf Einladung der Novembergruppe schickte Piet Mondrian 1923 drei Bilder an die „Große Berliner Kunstausstellung“, die begeistert aufgenommen wurden. In der Zeitschrift „DER STURM“ schrieb László Moholy-Nagy beiläufig über Mondrians Gedanken zur Musik aus flächenhaften, scharfen und abgebrochenen Tönen oder Geräuschen. Mondrian selbst verfasste einen Artikel für das Oktoberheft „Merz“ über das intuitive Prinzip des Neoplastizismus. In diesem Jahr malte Piet Mondrian nicht viel - außer jene Blumenbilder, mit denen er seinen Lebensunterhalt bestritt. Nachdem allerding am 15. Oktober eine Ausstellung über "Les Architects du Groupe 'de Stijl'" ind er Galerie de L'Effort Moderne eröffnet wurde und Erfolg hatte, fühlte sich der niederländische Maler wieder bestärkt.

Die Ehefrau des Direktors der Kestner-Gesellschaft, Sophie Küppers (1891–1978), stellte Mondrian 1924 die Künstler Hans Arp (1881–1966) undEl Lissitzky (1890–1940) vor. Für die niederländische Sektion zeigte Mondrian in der „Internationalen Kunstausstellung“ in Wien, zwei ältere Gemälde aus den Jahren 1921 und 1923. Von sechs neuen Bildern verkaufte Mondrian eines der Gemälde an Alexander Doerner (1893–1957), der das Hannoversche Provinzial Museum leitete. In den 1920er und 1930er Jahren stellte er gemeinsam mitMan Ray (1890–1976) aus. Seine Kunst war u.a. im Landesmuseum Hannover in der Ausstellung „Raum für konstruktive Kunst“, in der Städtischen Kunsthalle Mannheim, auf der 16. Biennale von Venedig (1928), im Salon des Tuileries (1934), im Museum of Modern Art (1935) zu sehen. Die Künstler Frederick Kiesler (1890–1965) und Marcel Duchamp (1887–1968) rieten der amerikanischen Sammlerin Kathrine Dreier (1877–1952), 1926 das Atelier Mondrians zu besuchen, um für ihre Ausstellung der Société Anonyme in New York Werke des Künstlers auszusuchen. Michel Seuphor führte André Kertesz (1894–1985) zu Mondrian, der berühmte Fotografien vom Atelier machte. Zunehmend kauften auch Museen die Bilder Mondrians: Museum Folkwang in Essen (1928), Wadsworth Atheneum Museum in Hartford, Connecticut (1935).

Mitglied von Abstraction-Création

Im Mai 1929 söhnte sich Piet Mondrian mit Theo van Doesburg aus, da der Maler der Meinung war, dass Van Doesburg seiner Malerei doch am nächsten stand. Eine wichtige Änderung für die Präsentation seiner Kunst war, dass er begann seine Aluminiumrahmen durch breite weiße angemalte Hinterrahmen zu ersetzen. Nun fand er auch endlich Anerkennung in Paris und stellte 1931 mit der GruppeAbstraction-Création in Paris aus.

Die künstlerische Entwicklung Mondrians war durch mehrere Verkäufe gesichert. 1932 fing Mondrian an, mit der Verdoppelung der Linien und der Farbe Schwarz als konstruktives Element zu arbeiten, um eine größere Klarheit in seinen Kompositionen zu erzielen. Kurz darauf experimentierte der Niederländer mit den Doppellinien und der Möglichkeit, Linien und Farben zur Deckung zu bringen. Harmonie und das gleichwertige Verhältnis zwischen Linie, Fläche und Farbe wären die Ziele seiner Arbeit, gab er 1934 der Zeitschrift „Abstraction-Création“ an.

Die Bedeutung, die dem Werk von Piet Mondrian zugemessen wurde, lässt sich auch an den zahlreichen Besuchen ermessen:Barbara Hepworth (1903–1975),Ben Nicholson (1894–1982) und Winifred Nicholson (1893–1981),Robert Delaunay (1885–1941), James Johnson Sweeney (1900–1986), Alfred Barr (1902–1981). Vor allem amerikanische Institutionen begannen sich Mitte der 1930er Jahre intensiv mit der Abstraktion und Mondrians Beitrag auseinanderzusetzen. Als F. Valentine Dudensing (1892–1967) sich Mondrian als dessen Vertreter in den Vereinigten Staaten anbot, schickte er zwei Bilder an ihn, die kurz darauf verkauft waren. Die Werke, die er an Valentine Dudensing schickte, bekamen Titel wie „Oppositionen“, „Rhythmen“ oder „Kompositionen“ die sich auf gerade Linien bezogen (1938).

Im Jahr 1937 wurde Piet Mondrian in einer großen Ausstellung in Basel und New York als der führende Maler der internationalen Abstrakten Kunst präsentiert. In Deutschland war er gleichzeitig in der Feme Ausstellung „Entartete Kunst“ als einziger Nichtdeutscher vertreten. Als dies den Nationalsozialisten bewusst wurde, entfernte man kurz darauf seine Werke.

(Video) Hilma af Klint

Piet Mondrian in London (September 1938–1940)

Nach dem Anschluss des Sudetenlandes an Deutschland emigrierte Piet Mondrian am 21. September 1938 nach Großbritannien; Gemälde, Grammophon und Manuskripte wurden ihm später nachgeschickt. Von Holtzman erhielt er weiterhin monatlich Anzahlungen für Gemälde. Den Vermieter bat der Künstle, die Wände seiner Atelier-Wohnung weiß zu streichen.

Die Werke aus der Londoner und New Yorker Phase sind noch reduzierter und experimenteller: Piet Mondrian drängte die Farben an den Rand, bis er mit „Komposition mit Gelb, Blau und Rot“ aus den Jahren 1937 bis 1942 (Tate, London) erneut bei einer strukturell komplexen Situation angelangt war. Die beiden roten und blauen Linienstücke im unteren Bereich dieses Bildes sind eine Neuerung in Mondrians Werk und weisen auf die späten Arbeiten voraus. In der Serie „New York City I“ (1941), zu der nur vier Werke zählen, ersetzte Mondrian auf experimentelle Weise die gemalten Linien teils durch farbig bemalte Papierstreifen bzw. Kebebänder. Ineinander verwoben, thematisieren sie die Verflechtung allen Seins auf der Welt. Das unvollendete „New York City I“ lässt in seiner Materialität noch das Potenzial der Veränderung erkennen. Diese Offenheit haben die gemalten Werke nicht (mehr).

Ausstellungen in London und New York festigten 1939 den Ruf Mondrians als bedeutenden Vertreter der Avantgarde. Diese Meinung wurde auch auch von Clement Greenberg (1909–1994) vertreten. Nach etlichen Veränderungen schickte er Peggy Guggenheim das von ihr erworbene Gemälde. Als der Krieg ausbrach, drängte ihn Holtzman nach New York zu kommen. 1940 schrieb Piet Mondrian einen Beitrag zum politischen Geschehen. Den ursprünglichen Titel „Art Shows the Evil of Nazi and Soviet Oppressive Tendencies“ erweiterte er später zu „Liberation and Oppression in Art and Life“. Der Künstler und Theoretiker war bemüht in diesen Aufsätzen eine klare, einfache, leicht verständliche Sprache zu finden, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Als die Niederlande und ein Monat später auch Paris von den Deutschen überfallen wurden, war Mondrian zutiefst entsetzt. Nachdem in der Nähe seines Ateliers eine Rakete eingeschlagen war, ging Mondrian auf Holtzmans Angebot ein nach New York zu kommen.

Piet Mondrian in New York

Am 3. Oktober 1940 erreichte Mondrian nach einer zweiwöchigen Schiffsfahrt New York City. Nach drei Wochen hatte Mondrian sein Atelier Apartment in der 56. Straße Ost Nr. 353 bereits umgestaltet und begann neue Bilder zu malen. Der Kontakt mit dem Boogie-Woogie und der Metropole hinterließen sofort Spuren in seinem Werk. 1941 trat Piet Mondrian den American Abstract Artists bei (AAA);Lee Krasner hatte seine Aufnahme empfohlen. Am 12. April 1941 gab Mondrian der KunstkritikerinCharmion von Wiegand (1896-1983) ein Interview, als Folge dessen die beiden Freundschaft schlossen. Von Charmion redigierte seine Schriften und begann unter seinem Einfluss abstrakte Bilder zu malen.

Durch die Entdeckung von färbigem und schwarzem Klebeband konnte er nun schneller und auf größerem Format arbeiten. Mondrians erste Einzelausstellung in den Vereinigten Staaten fand im Januar 1942 in der Valentine Dudensing Gallery in New York statt. Dafür begann Mondrian seine Biografie zu schreiben, die unter dem Titel „Toward the True Vision of Reality [Auf dem Weg zum wahren Blick auf die Wirklichkeit]“ (redigiert von Charmion) herausgegeben wurde. Darin beschrieb er, wie er die traditionelle Malerei aufgab:

„Das erste, was sich an meinem Gemälde änderte, war die Farbe. Ich habe natürliche Farben für reine Farben aufgegeben. Ich hatte das Gefühl, dass die Farben der Natur nicht auf der Leinwand reproduziert werden können. Instinktiv hatte ich das Gefühl, dass die Malerei einen neuen Weg finden muss, um die Schönheit der Natur auszudrücken.“ (Piet Mondrian im gleichnamigen Vortrag, 23. Januar 1942)

Schon aus der zweiten Ausstellung des Künstlers bei Valentine Dudensing 1943 kaufte das Museum of Modern Art das Bild „Broadway Boogie-Woogie“ (1942/43). Piet Mondrian begann die Arbeit an seinem letzten rautenförmigen Gemälde, das er aber laufend veränderte. Er war zu diesem Zeitpunkt Mitglied der Jury in Guggenheims Frühjahrssalon, wodurch es zu freundschaftlichen Beziehungen mit den französischen Surrealisten kam – vor allem zu André Breton und Max Ernst (→ Surrealismus).

„Um eine Harmonie zu erzielen, sollte die Kunst sich nicht nach der äußeren Erscheinung der Natur, sondern nach deren Wesen richten.“ (Piet Mondrian, 1941/42)

Tod

Im Januar 1944 erkrankte Piet Mondrian an einer akuten Lungenentzündung. Am 26. Januar brachte ihn Harry Holtzman in das New Yorker Murray Hill Hospital in der 40th Street East, wo sich sein Zustand immer mehr verschlechterte. Am 1. Februar starb Mondrian im Alter von 72 Jahren an den Folgen der Lungenentzündung. Er wurde am Cypress Hill Cemetery in Brooklyn beigesetzt.

Rezeption

1945, ein Jahr nach seinem Tod, fand im Museum of Modern Art in New York die erste posthume Retrospektive des Künstlers statt. Die folgenden Generationen abstrakter Künstler konnten und wollten sich mit Mondrians Kompositionsstrategien und damit verbundenen Philosophien beschäftigen. Darunter befand sich auch Barnett Newman, der jedoch die Werke des Holländers als geometrische Spielereien interpretierte und ausschließlich dekorativ empfand.

Literatur zu Piet Mondrian

  • Mondrian Evolution, hg. v.Sam Keller und Ulf Küster,Susanne Gaensheimer, Kathrin Beßen und Susanne Meyer-Büser (Ausst.-Kat. Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 5.6.–9.10.2022; Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, 28.10.2022–12.2.2023), Berlin 2022.
  • Piet Mondrian. Natur und Konstruktion, hrsg. von Roman Zieglgänsberger (Ausst.-Kat. Museum Wiesbaden), Köln 2018.
  • Piet Mondrian, hg. v. Klaus Albrecht Schröder (Ausst.-Kat. Albertina, Wien), München 2005.
  • Robert P. Welsh, Piet Mondrian. Catalogue Raisonné, Bd. 1: Catalogue Raisonné of the Naturalistic Works (Until Early 1911), München und New York 1998.
  • Joop M. Joosten, Piet Mondrian. Catalogue Raisonné, Bd. 2: Catalogue Raisonné of the Work of 1911–1944, München und New York 1998.
  • Michel Seuphor, Piet Mondrian. Leben und Werk, Köln 1957.

FAQs

What is Piet Mondrian technique? ›

Piet Mondrian took an interest in impressionist techniques and this form of art with the early works that he did. Like Van Gogh, Mondrian uses pure, glowing colors and expressive brushwork under the influence of pointillism and Fauvism.

What made Piet Mondrian's work unique? ›

An influential non-representational painter, Piet Mondrian's art evolved over his lifetime into his own unique style, which he coined “neo-plasticism.” This art was not based on outside artistic influences or on typical techniques, but was instead Mondrian's interpretation of his deeply felt philosophical beliefs.

Which artist limited his pictorial vocabulary to the three primary colors the two primary values and the two primary directions? ›

To express this, Mondrian eventually decided to limit his formal vocabulary to the three primary colors (red, blue and yellow), the three primary values (black, white and gray) and the two primary directions (horizontal and vertical).

What does the word Mondrian mean? ›

Definitions of Mondrian. Dutch painter whose work (intersecting lines at right angles and planes in primary colors) influenced the development of abstract art (1872-1944) synonyms: Piet Mondrian. example of: abstract artist, abstractionist. a painter of abstract pictures.

What does Mondrian art represent? ›

A theorist and writer, Mondrian believed that art reflected the underlying spirituality of nature. He simplified the subjects of his paintings down to the most basic elements, in order to reveal the essence of the mystical energy in the balance of forces that governed nature and the universe.

What are key elements in Mondrian's Composition with Red blue and yellow? ›

Mondrian's Composition with Red, Blue, and Yellow demonstrates his commitment to relational opposites, asymmetry, and pure planes of color. Mondrian composed this painting as a harmony of contrasts that signify both balance and the tension of dynamic forces.

What is the point of the Black Square? ›

It was an ultimate expression of reductionism: a declaration that all recognizable visual imagery can be pared down to the simplest possible forms, and that content is irrelevant; all that matters is feeling. Malevich himself called “Black Square” the “zero point” of art.

What is the meaning of the Black Square? ›

Black Square is a metaphor for art itself.

An empty canvas, a blank page — otherwise known as a black square. So, if you remove the subject from art, you'll always get a black square — art in its purest form without any extra additives. Malevich didn't like the fact that art was only a reflection of reality.

What was Piet Mondrian's inspiration? ›

Piet Mondrian

Who's afraid of the red yellow and blue? ›

Who's Afraid of Red, Yellow and Blue is a series of four large-scale paintings by Barnett Newman painted between 1966 and 1970. Two of them have been the subject of vandalistic attacks in museums.

What style of art is Piet Mondrian known for? ›

Although he is best known for his abstract paintings made from squares and rectangles, Piet Mondrian started out painting realistic scenes. He especially liked painting trees. Can you see the shape of a tree in this painting? It shows how he began to develop his abstract style.

What is the three color theory? ›

At its most basic, the Young-Helmholtz trichromatic theory states that within your eye are tiny cells that can receive waves of light and translate them into one of three colors: blue, green, and red. These three colors can then be combined to create the entire visible spectrum of light as we see it.

What are the 3 parts of color theory? ›

The many colors created through the combination of the three principal color elements known as the three chromatic properties, hue, value, and chroma, express the various color tones.

What are the 3 distinct parts to color theory? ›

If color theory is simplified, it can be broken down into 3 parts- The color wheel, color value, and color schemes. Each part of color theory builds on the previous. Understanding each section of color theory fully, will help you better understand its importance in the creation of art.

What does Brassines mean? ›

Brassiness refers to the unwanted warm tones that show up in colored hair. It typically happens in dark hair that gets dyed platinum or blonde, but it can also occur in hair that's been highlighted or in hair that's been lightened to brown.

What does can Recoin mean? ›

: to coin again or anew especially : remint.

What are the elements of arts? ›

ELEMENTS OF ART: The visual components of color, form, line, shape, space, texture, and value. may be two-or three-dimensional, descriptive, implied, or abstract.

Why did Mondrian change his style? ›

While in Paris, Mondrian became more aware of modern artists, including Diego Rivera and the Cubist style of Pablo Picasso and Georges Braque. These inspired him to change his painting style.

What is the role of colors in composition? ›

Color is one of the most important elements of a composition, be it painting, photography, film or 3D rendering. Color plays a critical role in our everyday life. Color can sway thinking, change actions, and cause reactions. Color can attract any individual's attention or change their mood.

Why are we taught that red yellow and blue are primary colors? ›

These three hues are called primary because they cannot be made with mixtures of other pigments." So, Crayola and Google aren't wrong — in the material world, red, blue and yellow are the primary colors that can be combined to create additional colors of the rainbow.

What does Black Square painting represent? ›

For many, the Black Square is a mystical, powerful work which represents the zero point in art, and heralded the break between representational and abstract painting.

What is the meaning of orange and Black Square? ›

It's indicating an X-rated website. Depending on the way your search history leans on TikTok, you may have encountered some videos as of late that bear orange and black square emojis as a part of their name. This trend is actually users referencing the world's most popular free pornography website, PornHub.

Where is the black square right now? ›

Where Is the Kazimir Malevich Black Square (1915) Now? The Black Square (1915) painting is housed at the State Tretyakov Gallery in Moscow, Russia. The art gallery has an extensive collection of Russian art dating back to the 12th century, including Modern art pieces.

Why was square an insult? ›

The sense of square as a derogatory reference to someone conventional or old-fashioned dates to the jazz scene of the 1940s; the first known reference is from 1944. There it applied to someone who failed to appreciate the medium of jazz, or more broadly, someone whose tastes were out of date and out of touch.

What does the black symbol symbolize? ›

It is associated with strength, authority, and power. Black lends an air of authority and intelligence to those who wear it. It symbolizes prestige, formality, and importance. With so many associations, it will come as no surprise that the color black has a profound effect on the psyche.

What is the emoji with the black square? ›

Since black represents death, evil, and lack of emotion, share the Black Square Button emoji along with other black emojis to tell people you are in mourning, or to reflect how “blah” you are feeling. 🔲 Black Square Button is a fully-qualified emoji as part of Unicode 6.0 which was introduced in 2010.

Why is the title At Eternity's Gate? ›

“At Eternity's Gate” takes its name from a canvas of an old man, made in the final months of van Gogh's life, that thrums with a foreboding of the subject's mortality. In that picture, the subject sits with his balding head bowed, his face buried in his fists, as if he can't bear to face his own demise.

What are three interesting facts about Piet Mondrian? ›

His early paintings were mainly landscapes, featuring fields, rivers and windmills. Mondrian moved to Paris in 1911. He was immediately influenced by the Cubist style of Picasso and Braque, and his work started to incorporate more geometric shapes, moving away from being purely naturalistic.

What color is most feared? ›

Perhaps the most famous of the deadly colors is white lead, which can still be found in houses across the country. Lead paint was desirable for centuries due to its brilliant white color, but the adverse effects of lead poisoning only became known in the last century.

Why does yellow represent betrayal? ›

Europe: In France, yellow signifies yellow signifies jealously, betrayal, weakness, and contradiction. In the 10th century, the French painted the doors of traitors and criminals yellow. In Germany, yellow symbolizes jealousy.

Is yellow the most disliked color? ›

The most popular color in the world is blue. The second favorite colors are red and green, followed by orange, brown and purple. Yellow is the least favorite color, preferred by only five percent of people. Another interesting survey finding: both men and women increasingly dislike orange as they age!

What type of lines did Mondrian use? ›

He used only straight lines and rectangles (harmony and order), and the primary colors - red, blue and yellow (the most basic and pure) - along with three noncolors - white, black and gray.

What two types of line did Mondrian use in his paintings? ›

Mondrian found his own style in this movement and termed it as “Neoplasticism”. “This consisted of white ground, upon which he painted a grid of vertical and horizontal black lines and the three primary colors” ('Piet Mondrian', 1981).

How did Mondrian paint his black lines? ›

He drew lines freehand

However, he did use tape or strips of paper as an early form of masking tape when creating the blocks of colour. The black lines were thinly painted to start with, and he gradually built up the bold shapes until he'd created those perfect straight edges.

What the colors symbolize? ›

Green: New Beginnings, Abundance, Nature. Blue: Calm, Responsible, Sadness. Purple: Creativity, Royalty, Wealth. Black: Mystery, Elegance, Evil.

What was the first color invented? ›

The first colour used in art was red - from ochre. And the first known example of cave art was a red ochre plaque, which contains symbolic engravings of triangles, diamond shapes and lines, dated to 75,000 years ago.

What is the other name for color? ›

What is another word for color?
complexionhue
tinctureundertone
chromapaint
pigmentationwash
chromaticitychromatism
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What two colors make red? ›

What Colors Make Red?: A Quick Overview. If you mix yellow and magenta, you'll end up with red. The hues of each color affect what shade of red you'll end up with. If you add more magenta, you'll get a cooler red (like ruby)...whereas more yellow will give you a warmer red (like tomato)!

Why is it called color theory? ›

A formalization of "color theory" began in the 18th century, initially within a partisan controversy over Isaac Newton's theory of color (Opticks, 1704) and the nature of primary colors. From there it developed as an independent artistic tradition with only superficial reference to colorimetry and vision science.

Why is it important to understand the color theory? ›

Color theory can help designers determine which colors look good together. Color theory goes beyond just “eyeing” color combinations, though, which is where the science part comes in.

What is it called when 3 colors are next to each other? ›

Analogous colours are groups of three colours that are next to each other on the colour wheel, such as blue, blue-green, and green, your blue-green mix should be an even mix of the two for a balanced look. They usually match well and create comfortable designs.

What are the 2 theories of color? ›

The trichromatic theory helps to explain how each type of cone receptor detects different wavelengths in light. On the other hand, the opponent process theory helps explain how these cones connect to the nerve cells that determine how we actually perceive a color in our brain.

What is Piet Mondrian art called? ›

Piet Mondrian, a painter, was an important leader in the development of modern abstract art, primarily through the Dutch art movement known as De Stijl (“The Style”).

What is Piet Mondrian best known for? ›

Although he is best known for his abstract paintings made from squares and rectangles, Piet Mondrian started out painting realistic scenes. He especially liked painting trees. Can you see the shape of a tree in this painting? It shows how he began to develop his abstract style.

What is De Stijl known for? ›

De Stijl, meaning 'Style' was a modern art movement developed in the Netherlands in the early twentieth century. Encompassing painting, architecture and design, de Stijl was founded by Piet Mondrian and Theo van Doesberg in 1917 based upon strict ideals of vertical and horizontal geometry.

How much are Piet Mondrian's paintings worth? ›

Piet Mondrian's work has been offered at auction multiple times, with realized prices ranging from 25 USD to 50,565,000 USD, depending on the size and medium of the artwork. Since 1998 the record price for this artist at auction is 50,565,000 USD for Composition No.

What is Mondrian art style? ›

Piet Mondrian

Why is the Mondrian dress iconic? ›

In 1965, Yves Saint Laurent paid tribute to Mondrian by designing cocktail dresses that evoked the painter's abstract canvases. Their simple cuts, geometrical lines, and bold colors gave the designer's collection a modern feel and proved to be incredibly successful.

What are 2 characteristics of the De Stijl movement? ›

1. Straight lines: De Stijl art features clean and straight vertical and horizontal lines that intersect to form right angles. 2. Primary colors: De Stijl artists used primary colors—red, yellow, and blue—plus black and white.

What are the 3 colors considered essential in De Stijl? ›

Proponents of De Stijl advocated pure abstraction and universality by a reduction to the essentials of form and colour; they simplified visual compositions to vertical and horizontal, using only black, white and primary colors.

What is the most expensive Mondrian painting? ›

Topline. A rare painting by Dutch artist Piet Mondrian sold for $51 million at auction late Monday night, fetching more than 20 times what the piece sold for last time it went to auction 40 years ago and setting a new record for the artist.

Whats the most expensive painting? ›

The Most Expensive Paintings Ever Sold

The most valuable painting in history must surely be the Mona Lisa by Leonardo da Vinci. Although it is considered priceless, we can determine some numerical value by looking at the insurance value of the painting. In 1962 the masterpiece was assessed at a value of $100 million.

What is the most a painting has ever sold for? ›

This is a list of the highest known prices paid for paintings. The current record price is approximately US$450.3 million (which includes commission), paid for Leonardo da Vinci's Salvator Mundi ( c. 1500).

Videos

1. Hilma af Klint: Abstrakt pionjär | Introduktion
(Moderna Museet)
2. Hilma af Klint: Painting the Unseen at the Serpentine Gallery
(zczfilms)
3. BOOK REVIEW: Hilma af Klint, Paintings for the Future
(Sharifah Bahiyah Art)
4. Paint like Hilma af Klint The Ten Largest- pioneer of abstract art
(Imperfect Paintings)
5. New York City: Hilma af Klint at the Guggenheim
(Henry Chamberlain)
6. Hilma af Klint: Paintings for the Future
(museum memories)

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Author: Cheryll Lueilwitz

Last Updated: 11/01/2022

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